Beate Blank

Innovative Konzepte und Projekte

Fragen nach der Ermutigung und Bestärkung von Menschen und ihrer Potentiale interessierten Beate Blank von Kind an. Die Mitarbeit in der Kirchengemeinde ihrer Eltern war selbstverständlicher und prägender Alltag ihrer Kindheit und Jugend.

Empowerment als pädagogisches Prinzip
lernte sie in ihrer Erstausbildung zur Erzieherin kennen, ohne dass dies damals so eingeordnet und benannt worden wäre. In den 1970er Jahren gab es einen Aufbruch aus den totalitären Strukturen einer weit verbreiteten lieblosen und gewalttätigen Fürsorgeerziehung. Sie musste das Festbinden von Kleinkindern und zwangsweises Füttern, einschließlich von Erbrochenem, Schläge auf den Kopf, ins Gesicht und sexualisierte Gewalt mit ansehen. Menschenrechtsverletzungen an Kindern und Jugendlichen wurden von der Gesellschaft nicht als solche wahrgenommen und geahndet. Die Verantwortlichen duldeten weder fachlich begründete Kritik an ihrem Erziehungsstil noch einen Hinweis auf die Liebe Jesu und sein Gebot: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes (Markus 10, 13-16). Ein Eintreten für die Menschenwürde und Rechte der Kinder fand in den betroffenen diakonischen Einrichtungen kein Gehör. Drohungen, Verleumdungen und erzwungene Entlassungen Andersdenkender hinterließen eine undurchdringbare Mauer des Schweigens. Aber es gab auch Ermutigung für junge Auszubildende. Ganz im Gegensatz zur schwarzen Pädagogik" dieser Zeit vertrat die Evang. Fach- und Höhere Fachschule Reutlingen als konfessionelle Ausbildungsstätte ein Menschenbild, das dem Gleichnis vom Kind im "Reich Gottes" nahe kam: Das Kind entfaltet sich spielerisch in einem unerschöpflich kreativen, liebevollen, zeit- und absichtslosen Raum. Das spielerische Experimentieren mit Frei-Räumen und Materialien aller Art war ein ganz neuer Ansatz und seiner Zeit weit voraus. Erst heute setzt sich, unterstützt durch die Forschungsergebnisse der Neurobiologie, die Erkenntnis durch, dass Kinder mehr wahrnehmen, lernen und wissen als Erwachsene gemeinhin glauben. In einem liebevoll aufmerksamen Rahmen können sie ihre Potentiale endecken und tun dies mit großer Freude wie von selbst. Dieser innovative Unterricht hat die spätere Arbeit von Beate Blank beeinflusst und sie in ihrem Vertrauen in die Selbstregulationskräfte des Menschen nachhaltig bestärkt.

Während der Aufbaujahre ihrer Empowerment Arbeit mit wohnungs- und arbeitslosen Frauen erinnerte sie sich an die experimentellen Methoden ihrer Lehrerinnen. Zum Beispiel: Rythmusinstrumente aus alten Möbeln und Haushaltsgegenständen herstellen oder sich im Neugestalten eines leerstehenden Gebäudes, neue innere und äußere Räume aneignen. Aus einer Methode ihrer Kunstlehrerin, Frau Krell, entwickelte sie zur absichtslosen Heranführung an kreativen Selbstausdruck und zur Aktivierung von transpersonalen Ressourcen und von Selbstheilungskräften das Konzept und Verfahren: Spielerisch-unbewusste Malprozesse von Gruppen. Dabei tauchten zufällig" archetypische Symbole und Signaturen auf. Dieses Ereignis und die Methode beschreibt Beate Blank im Buch Die Meerjungfau lernt fliegen.

Wissenschaftlich reflektiert hat sie dieses Verfahren später an der Universität Tübingen, Institut für Erziehungswissenschaft, im Fachbereich Erwachsenenbildung, Transpersonale Pädagogik und gemeinsam mit der Jungianerin und Lehrtherapeutin, Dr. Rosemarie Daniel:

„Es gibt ein Gruppen-Selbst, das haben Sie richtig erkannt. Es hat tatsächlich alle Aspekte des Selbst, heilende und zerstörende. Sie machen mit dieser Methode das Gruppen-Selbst sichtbar. Damit wird eine große Integrationschance für Gruppen eröffnet",
so Rosemarie Daniel.

Beate Blank engagierte sich mit Beginn ihres Studiums der Sozialarbeit an der Fachhochschule für Sozialwesen Esslingen für Projekte zum Empowerment von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern. Ihre Motivation, obdachlosen Frauen und Kindern eine Zuflucht und Perspektive anzubieten, war auch geprägt durch ihre frühen Erfahrungen in der Heimerziehung und durch die Tatsache, dass sie als 18-jährige Praktikantin nicht die Mittel und Voraussetzungen hatte, den ihr mit anvertrauten Kindern eine liebevolle und sichere Heimat bieten zu können.

Ab 1977 war sie Mitbegründerin und Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins Arbeiterinnen- und Arbeiterselbsthilfe Stuttgart (ASH) mit den Vereinsbereichen:
Wohn- und Arbeitsprojekt für Obdachlose, Gründung 1977.
Pädagogisch betreuter Spielplatz in Stuttgart Hallschlag, Gründung 1978.
Interessengruppe Sozialhilfe Stuttgart,
Gründung 1979.
Mieterinitiative und Gemeinwesenarbeit Stuttgart Hallschlag,
Gründung 1980.
Das erste Haus für obdachlose Frauen und Kinder in der Bundesrepublik,
Gründung 1980.
Beratungsstelle für besondere Lebens- und Notlagen, Gründung 1984.

Für jedes dieser ASH-Bereiche gibt es eine Konzeption und eine umfangreiche Sammlung von Presseberichten und Fotomaterialien, die wir gerne für Studien- und Forschungszwecke zur Verfügung stellen. Die Vereinszeitschrift die Selbsthilfe, der Sozialhilferatgeber (Auflagen 1-3), die Broschüre Stuttgarter Häusersterben (Hrsg. jeweils ASH e.V.) - siehe Literatur - sowie die Diplomarbeiten von Karl Dehm zur Mieterbeteiligung in Stuttgart-Hallschlag und von Beate Blank zur Lage von obdach- und wohnungslosen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland und zur Gründung des Projekts Arbeiterinnen-Selbsthilfe, dokumentieren die Arbeit dieser Jahre.

Im Winter 1980 initiierte Beate Blank das bundesweit erste Haus für obdachlose Frauen und Mädchen als Selbsthilfeorganisation. Auch deren Kinder konnten mit im Haus leben. Sie übernahm Verantwortung für ihre Vision, mit den Frauen gemeinsam - nach deren Bedürfnissen und Fähigkeiten - eine Heimat auf Zeit zu schaffen. Dazu gehörten alle wohnungslosen Frauen, auch suchtmittelabhängige oder auf der Straße umherirrende, psychisch kranke Frauen. Keine wurde wegen ihrer sozialen und kulturellen Herkunft, Ethnie oder Religion, wegen Flucht und Vertreibung aus Kriegsgebieten (Ex-Jugoslawien), Illegalität oder Prostitution, wegen akuter Bedrohung durch einen gewalttätigen Partner, wegen ihres Alters oder geschlechtlichen Orientierung, wegen ihrer Kinder oder einer Schwangerschaft, wegen einer Behinderung, Erkrankung oder anderer Problemlagen abgewiesen. Im demokratischen Verfahren wurde die Hausordnung festgelegt. So konnten Frauen erstmals in einem Haus der Wohnungslosenhilfe ihr Leben und ihre Intimsphäre selbst bestimmen. Sie forderten ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ein. Dies beinhaltete für sie das Erproben eines Zusammenlebens mit einem Partner und mit ihren Kindern im geschützen Rahmen des Hauses. Damit die neu erworbene Freiheit nicht vom Gesetz des Stärkeren beherrscht und zerstört werden konnte, hatten die Frauen das Hausrecht inne. Wenn ein Mann Gewalt ausübte und Grenzen nicht respektierte, musste er sofort das Haus verlassen, auch nachts. Die Bewohnerinnen achteten aus eigener Motivation und Interesse auf die Einhaltung der wenigen, aber fundamentalen Regeln des gemeinsam ausgehandelten Zusammenlebens. Darüber hinaus engagierten sie sich aus eigenem Wunsch und ehrenamtlich rund um die Uhr für andere Frauen in Not. Auch war ihnen die Solidarität mit obdachlosen Männern ein Anliegen. So organisierten und spendeten sie zwischen Weihnachten und Neujahr den Bewohnern der Wohncontainer auf dem Cannstatter Wasen ein warmes Frühstück und setzten durch, dass in den kalten Nächten einzelne alte und kranke Männer ihren geheimen Unterschlupf im Haus nicht räumen mussten.

Neben der Betreuung einer Notübernachtung für Frauen und ihre Kinder wurde die Wohngruppe für chronisch psychisch kranken Frauen zum selbstverständlichen Bestandteil der Hausgemeinschaft. Erstmals wurde das Experiment des Zusammenlebens, ohne im Haus anwesende ÄrztInnen oder des nachts zuständige Aufsichtspersonen, gewagt. Ansporn und Vorbild war die demokratische Psychiatrie Italiens von Dr. Franco und Dr. Franca Basaglia mit ihrem Slogan Freiheit heilt!".

1982 folgte das erste Sozialunternehmen für Frauen, mit sozialversicherten Arbeitsplätzen, mit verschiedenen Formen der betrieblichen Mitbestimmung (von der wöchentlichen Vollversammlung bis zum gesetzlich verankerten Betriebsrat) sowie mit Qualifizierungs- und Ausbildungsangeboten. Siehe dazu: Konzeption und Geschichte des Frauenwohnprojektes und Frauenarbeitsprojektes der ASH e.V..

Mit diesen beeindruckenden Projekten zeigten obdachlose und rechtlose Frauen der Öffentlichkeit und etablierten Sozialarbeit, dass ein Zusammenleben in Freiheit, Selbstbestimmung, Vielfalt und Respekt unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist. Selbstbewusst konnte für das Empowerment-Konzept in der Sozialen Arbeit und für eine offene Psychiatrie in Deutschland geworben werden. Das Konzept des gemeinsamen Wohnens, Arbeitens und Lernens eröffnete vielen Frauen Zugang zu Bildung und Ausbildung und zu einem selbständigen und liebenswerten Leben. Davon haben ganz unmittelbar ihre Kinder profitieren können.

Fast alle ASH-Projekte sind später von Verwaltung und Gemeinderat der Stadt Stuttgart gefördert worden. Einrichtungen der Wohlfahrtspflege haben die Konzepte übernommen oder adaptiert. Heute sind sie selbstverständliche Grundlage von Theorie und Praxis Sozialer Arbeit.

Ohne die ASH hätte es nie eine eigene Notübernachtung für Frauen gegeben!
Jetzt müssen unbedingt Hotelplätze genehmigt werden, bevor noch mehr Frauen vergewaltigt und ermordert werden!
Zitate aus: die Selbsthilfe Nr.5/1982, eine Zeitschrift der Arbeiter/innen-Selbsthilfe e.V. (Hrsg.). (Veröffentlichung nach einem Mord an einer obdachlosen Frau im Stadtgarten. Daraufhin hat Stuttgart als erste Stadt in d. BRD jeder wohnungslosen Frau einen Gasthofplatz genehmigt, das Neefhaus als städtische Einrichtung eroffnet und die Träger der Wohlfahrtspflege im Aufbei eines vorbildlichen Hilfenetzes für Frauen unterstützt.)

Stuttgarter Nachrichten 01.06.1982:
Notübernachtung in der Heinrich-Baumann-Str. 17 war völlig überlastet. Frauen ohne Obdach und Unterschlupf. Arbeiter/innen-Selbsthilfe Stuttgart verlangt "Alternativen" von Stadt und Gemeinderat.

Stuttgarter Zeitung 28.05.1982:
Arbeiter/innen-Selbsthilfe und Arbeitskreis warnen. Von Obdachlosigkeit zur Prostitution. Keine Notübernachtungsplätze für obdachlose Frauen. Zahl von offizieller Seite unterschätzt?

 

Foto: © Arbeiter/innen-Selbsthilfe e.V.

Das Haus Heinrich-Baumann-Str.17 , ein leerstehendes Fabrikgebäude,
war in den Wintern 1980 und 1981 ständig überfüllt.
In diesem Zeitraum lebten mindestens 110 Frauen und Kinder im Haus.

Diese ehrenamtlichen Pionierjahre wurden maßgeblich von dem Dipl.-Sozialpädagogen, Karl Dehm, mitgestaltet und mitgetragen. Er brachte die Idee einer von Staatsknete" unabhängigen Hilfe zur Selbsthilfe und eines selbstverwalteten Betriebes für Obdachlose von der Sozialistischen Selbsthilfe Köln e.V. mit und initierte 1975 die Soziale Selbsthilfe Stuttgart e.V.. Ohne Wenn und Aber unterstützte er später den Wunsch von Beate Blank, eine Selbsthilfeorganisation für Frauen mit aufbauen zu helfen. Auch die ASH-Frauenprojekte sind ohne sein selbstverständliches Engagement und seine langjährige praktische und ideelle Unterstützung nicht denkbar.

In den verschiedenen Vereinsbereichen und ASH-Projekten engagierten sich viele freiwillige Helfer/innen. Vorstandsmitglieder übernahmen Verantwortung und Spender/innen finanzierten die Aufbauarbeit.

Ihnen allen
sei an dieser Stelle gedacht und von Herzen gedankt!

Einige Vereinsbereiche und Projekte bestehen heute noch oder haben neue Organisationsformen gebildet. Sitz des Frauenwohnprojektes ist weiterhin das Haus Heinrich-Baumannstr. 17 in Stuttgart-Ost unter dem Dach der ASH e.V.. Das stark wachsende Frauenarbeitsprojekt wurde im Jahr 2000 in das Frauenunternehmen ZORA gGmbH ausgegliedert. 2004 übergab die ASH e.V. ihren Gesellschafteranteil an den Förderverein Frauenwerke e.V.. Der pädagogisch betreute Spielplatz ist seit 2005 mit Dracheninsel e.V. ein eigenständiger Verein und nun ganz in die Strukturen des Stadtteils Hallschlag integriert. Die Beratungsstelle für besondere Lebens- und Notlagen und die Interessengruppe Sozialhilfe mussten leider Ende 2002 ihre Arbeit ganz einstellen. Die bis zuletzt ehrenamtlich getragene Arbeit konnte, trotz vieler Jahre anerkannter Arbeit für viele Menschen in Not, keine politische Mehrheit finden. Im Stuttgarter Gemeinderat ist ein Förderantrag zwei mal bei Stimmengleichheit gescheitert. Spenden und befristete Lohnkostenzuschüsse konnten auf Dauer die Lücken nicht schließen.


Chronologischer Überblick und berufliche Qualifikationen:

Von 1977 bis 1989 war Beate Blank Gründungs- und Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins Arbeiterinnen- und Arbeiterselbsthilfe Stuttgart. Zugunsten einer Rollen- und Funktionstrennung im Verein konzentrierte sie sich ab 1987 auf die Geschäftsführung der ASH-Frauenprojekte, gemeinsam mit der Dipl.-Sozialarbeiterin, Marie-Luise Stöger, der Gründerin und Geschäftsführerin von Wildwasser Stuttgart e.V..

Ab 1992-99 war sie als Geschäftsführerin und sog. besondere Vertreterin des Vorstandes verantwortlich für das ab 1994 schnell expandierende Sozialunternehmen mit durchschnittlich 130 Mitarbeiterinnen, beschäftigt in 15 Einzelprojekten und Betriebsbereichen sowie für die Erwirtschaftung eines jährlichen Haushalts von 2,3 Mio. Euro:

1. Betreutes Wohnen - mit durchschnittlich 20 Mietverhältnissen, psychosozialer Beratung und einer Rund-um-die-Uhr-Notaufnahme.
2. Arbeiten und Lernen - ein Projekt zum Nachholen des Hauptschulabschlusses.
3. Second Hand Kaufhaus - mit (modularer) beruflicher Qualifizierung zur Einzelhandelskauffrau.
4. Verwaltung - mit (modularer) beruflicher Qualifizierung zur Bürokauffrau.
5. Haushaltsauflösungsservice - Entrümpelungen, Kleinumzüge, Hol- und Bringservice.
6. Recyclingbereich - Wiederverwertung von Rohstoffen und Konsumgütern, Fixierbadentsilberung, Aluminiumsammlung im gesamten Stadtgebiet, Recycling-Design, Recycling-Kunst, und anderes mehr. In den Jahren 1985-1989 wurde das ASH-Frauenarbeitsprojekt, unter anderem für das stadtweite Aluminium- und Fixierbadrecycling, mehrfach mit dem Umweltpreis der Stadt Stuttgart ausgezeichnet.
7. Restaurationswerkstatt - Aufarbeitung von Möbeln, Spezialanfertigungen, Stuhlflechterei, Ersatzteile.
8. Fahrradwerkstatt - Reparatur, Recyclingproduktion Aus-zwei-mach-Neu und Ersatzteileverkauf.

9. Nähatelier - Auftragsproduktion, Produktion nach hauseigenem Design, Kostümfertigung und Kostümverleih.
10. Nudelhaus - Produktion der hauseigenen Marke "Roselli"; ein Existenzgründungsprojekt.
11. Mittagstisch und Catering -Auftragsservice,
günstig und gesund essen aus eigener Küche.
12.Schulungs- und Medien Service Center - Qualifizierungsprojekt im Bereich Datenverarbeitung für interne und externe Kursteilnehmerinnen.
13.
Kreativwerkstatt - ein Angebot zum Entdecken der eigenen kreativen Potentiale im Bereich bildnerisches Gestalten und Musik.
14. Phönix-Bühne - ein Kulturprojekt zur Förderung und Darstellung der Kunst und Talente der Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen sowie zur Förderung von unbekannten Künstlerinnen.

15. Beratung, Bildung und Vermittlung - Betriebliche Soziale Dienste, Personalentwicklung, Gesundheitsförderung, Erwachsenenbildung, Aus- und Weiterbildung, Vermittlung in Arbeit, Praktika oder Ausbildung.

Die Konzeption der einzelnen Projekte und des Empowerment Ansatzes, in seiner geschichtlichen Entwicklung und im Bezug zunm Organisationsentwicklungsprozess der ASH e.V. sowie in der Einordnung im Diskurs Sozialer Arbeit, wurde 1997 veröffentlicht. Siehe: Konzeption Arbeiterinnen-Selbsthilfe Stuttgart (ASH) e.V. .

Während der Zeit des Aufbaus der ASH-Vereinsbereiche und Projekte in Stuttgart-Hallschlag und Stuttgart-Ost hat Beate Blank ihr Diplom als Sozialarbeiterin (FH) erworben. Ein Darlehen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetzes (Bafög) und eine Waisenrente sicherten in diesen Aufbaujahren sowohl ihren Lebensunterhalt als auch die Finanzierung notwendiger Betriebsausgaben.

Ihre beruflichen Qualifikationen erweiterte sie ab Mitte der 1980er Jahre mit einer mehrjährigen therapeutischen Zusatzausbildung in Atem- und Körpertherapie (Integrale Leibarbeit) und Transpersonaler Psychotherapie nach Stanislav und Christina Grof, Leonard Orr, Jack Painter, Wilhelm Reich, Arthur Janov, Alexander Lowen, C.G. Jung, Milton Erickson und anderen. Aus dem Ansatz der Transpersonalen Psychologie, lösungsorientierten Psychotherapie, der Kunsttherapie und Ressourcen orientierten Arbeit mit Frauen entwickelte sie später ein niederschwelliges sozialtherapeutisches Konzept für die Arbeit mit Frauen.

Mit einem nebenberuflichen Studium der Malerei an der Kunstschule Nürtingen erfüllte sie sich für kurze Zeit einen Jugendtraum. Hier schöpfte sie aus dem Glück des Eintauchens in die Welt der Farben und Formen einen neuen Zugang zur Förderung von Kreativität als Ressource. Die ehemalige Bewohnerin und Mitarbeiterin, Gudrun Schmitz, eröffnete 1996 ihre erste Vernissage in den Räumen der Heinrich-Baumann-Str. 17 im Rahmen unserer Phönix-Bühne. Heute arbeitet sie als Dipl. Kunsttherapeutin an einer Klinik. Sie sagt: Ich habe erst in der ASH meine Kreativität entdeckt. Diese Entdeckung hat mir das Leben gerettet."

Bis
1992 hat Beate Blank diese wirkungsvolle ganzheitliche pädagogische Arbeit praktiziert und dann, zugunsten einer erneuten Rollen- und Funktionstrennung innerhalb der expandierenden ASH-Frauenprojekte, abgegeben. Die Kreativwerkstatt wurde dann von einer Ergotherapeutin und einer Kunsttherapeutin in Ausbildung geleitet und zu einem beliebten Ort und Angebot für alle Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen. In das Konzept integriert wurde später das von einer Dipl. Psychologin begleitete Angebot Gesundheitsförderung für Frauen. Für eine Physiotherapeutin wurde ein Raum für sanfte Massagen und Aromatherapie eingerichtet. Alle Mitarbeiterinnen konnten während der Arbeitszeit diese Angebote wahrnehmen. Vor allem die Mitarbeiterinnen des Speditionsbereiches nutzten unmittelbar nach körperlich anstrengenden Arbeiten diesen für sie kostenlosen Service. Auch die psychisch kranken und nicht mehr arbeitsfähigen Bewohnerinnen wurden selbstverständlich einbezogen und profitierten nachhaltig von diesem niederschwelligen Zugang zu therapeutischen und gesundheitsfördernden Angeboten.

1993 erhielt Beate Blank ein Stipendium des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für ein internationales Austauschprogramm von Professionellen: Council International Programs. Dieser fünfmonatige Studienaufenthalt in den USA brachten ihr in Theorie und Praxis eine Fülle neuer Impulse. Ihre Studieninhalte an der Indiana University Purdue University of Indianapolis, School of Social Work, waren: Social Planning, Proposal Design, Profit- and Non-profit Management, Fundraising and Philanthropy sowie International and Cross-cultural Exchange Studies. Ihr Praxisbezug war die Beratung von traumatisierten Frauen nach Gewalt- und sexuellen Missbrauchserfahrungen in einem Councelling Center for Abused Women und einem Shelter for Battered Women. Durch ihre Erfahrung in Führungspositionen bekam sie die einmalige Chance, die Direktorinnen zu begleiten, an den Netzwerkstrukturen von Frauen in Führungspositionen in Indiana teilzuhaben und deren Strategien von Women's Leadership and Women's Networking 'von innen' heraus kennen zu lernen. Auch die Lobbyarbeit der Kolleginnen für eine Coalition against Family Violence eröffnete ihr andere, amerikanisch-pragmatische und wohltuend undogmatische Sichtweisen. Die Mitarbeit und Einbindung in ein Team gab ihr wertvolle Inneneinsichten und Vergleichsmöglichkeiten. Diese beruflichen und persönlichen Kontakte bestehen heute noch.

An der Indiana University hat Beate Blank folgendes Mission Statement in ein Sozialplanungkonzept (proposal) umgesetzt. Coalition against Family Violence - Social Planning Exchange between Indianapolis and Stuttgart: The city government Stuttgart, the capital city of the German Baden-Wuerttemberg federal state is establishing a Mayors Commission against Domestic Violence and Sexual Assult. There is an urgent need for public education about the issues of domestic violence and physically, sexually and emotionally abuse and the cycles of family and societal violence. - And there is a need in Stuttgart to create linkages between social services which are dealing with this issues with an aim to setting up a councelling center serving women of the capital city of Stuttgart like the Councelling Center for Abusend Women in Indianapolis."

Ihr Planungskonzept wurde nach einer Präsentation an der Indiana University als sehr gut bewertet. Nach ihrer Rückkehr hat sie es der der Stuttgarter Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch, übergeben. Diese hat wesentliche Inhalte aufgenommen und in den folgenden Jahren umgesetzt. 1996 informierten sich Studierende und ProfessorInnen der Indiana University bei der Bürgermeisterin über den Stand der Stuttgarter Sozialplanung und sozialen Hilfen und nahmen ihrerseits wertwolle Anregungen in die USA mit. Das transatlantische Austauschprogramm wurde von Beate Blank als Lehrbeauftragte der Hochschule für Sozialwesen Esslingen und einer Studiengruppe an der School of Social Work der Indiana University organisiert, mit dem Ziel des Aufbaus einer offiziellen Hochschulpartnerschaft.

Im Zusammenhang mit ihrer Geschäftsführungstätigkeit war Beate Blank beteiligt an der Weiterentwicklung der Hilfen zur Arbeit und der Wohnungslosenhilfe in Stuttgart und Mitglied des Verwaltungsrates der Arbeitsvermittlung Stuttgart (SAVE gGmbH). Nach ihrer Rückkehr aus den USA war es ihr ein Anliegen, den Kooperations- und Vernetzungsgedanken zu fördern. So initiierte sie 1994 den gemeinnützigen Verein Fundraising Hallo Arbeit!, ein Zusammenschluss der Träger der Hilfen zur Arbeit in Stuttgart, mit dem Ziel eines Träger übergreifenden vernetzten Fundraisings zugunsten der gemeinsamen Aufgaben und Ziele. Ein vereinseigener Tauschring sollte einen bargeldlosen Zugang zu Dienstleistungen und ein Forum zur Markterprobung von Fähigkeiten ermöglichen. Sie prägte den Begriff Talente" für die Währung des vereinseigenen Talentetauschrings. Der Verein konnte wegen zu starker Eigeninteressen und Konkurrenz der beteiligten Träger seine Fundraising-Aufgaben nicht erfüllen. Der Talentetauschring hingegen besteht heute noch und wird unter dem Dach des Caritasverbandes Stuttgart e.V. weiter geführt.

Ihr berufsbegleitendes Studium der Erziehungs- und Sozialwissenschaften sowie empirischen Kulturwissenschaften an der Eberhard Karls Universität Tübingen nutzte sie zur wissenschaftlichen Reflexion ihrer Arbeit und Empowermentansatzes. Das Studium schloss sie mit einem Diplom in Erziehungswissenschaft ab.

Von 2002-03 hatte Beate Blank für 3 Semster eine Professurvertretung an der Hochschule Esslingen, Fakultät für Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege inne. Seit 1988 ist sie Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen. Ihre Lehrgebiete sind: Organisationswissen und Organisationsentwicklung. Empowerment und Empowermentprozesse. Ressourcenförderung und Ressourcenmanagement. Aktivierungs- und Beteiligungsverfahren. Quartiersmanagement und Gemeinwesenarbei. Soziale Arbeit in den Bereichen Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit und Armut. Arbeit mit (benachteiligten) Frauen.

Von 1997 bis 2008 vertrat sie die Hochschule ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer der Fachhochschule Esslingen. Im Zuge der Fusion der Hochschulen für Sozialwesen und Technik übernahm sie Verantwortung für die Gestaltung des Übergangs in die Strukturen des Vereins der Freunde der Hochschule (VdF). Dieser repräsentiert nun die gemeinsame Alumniarbeit und Förderung aller Fakultäten der Hochschule Esslingen. Dem VdF gehört sie seit 2008 als Beiratsmitglied an.

Während ihrer langjährigen Geschäftsführungstätigkeit hat sie zahlreiche Fortbildungen in Betriebswirtschaft und Unternehmenführung unter anderem an den Universitäten Tübingen und Stuttgart-Hohenheim besucht. Diese waren später wichtige Grundlagen zur Vermittlung von Organisationswissen in Lehre und Beratung sowie zur Gründung des Beratungsbüros empowerment consulting® als ein soziales Unternehmen.

Die ab 1999 folgenden innovativen Konzepte und Projekte finden Sie unter: http://www.empowerment-consulting.de

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